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Infos, Empfehlungen & Wissenswertes: China-Blog 博客

Der Blog des Chinakompetenz-Projekts der 13 akademischen Begabtenförderungswerke und der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung

China-Kompetenz in meiner Nähe

[15.02.2024]

Wo bekomme ich mehr China-Kompetenz und Informationen für einen Studien- oder Forschungsaufenthalt in China her?

Bayerisches Hochschulzentrum für China

China-Kompetenzzentrum Bodensee

Center for Cultural Studies on Science and Technology in China

China-Strategie der Bundesregierung

[13.07.2023]

Die Bundesregierung hat ihre neue China-Strategie vorgestellt. Darin wird die Wichtigkeit der Aneignung von China-Kompetenz noch einmal hervorgehoben. So heißt es in der Strategie:

"Durch die zunehmende Bedeutung Chinas wächst der Bedarf an Menschen mit China-Expertise. Dazu gehören u. a. Sprachkompetenz, interkulturelle Kompetenz und landeskundliche Fachkompetenz, Wissen um die Ziele des globalen Engagements Chinas und praktische Erfahrung in der bilateralen Zusammenarbeit im Kontext des chinesischen politischen Systems. Fundierte, aktuelle und unabhängige China-Kompetenz ist essentiell für das wechselseitige Verständnis und für die langfristig erfolgreiche Wahrnehmung und Durchsetzung deutscher Interessen."

Wir unterstützen dich beim Aufbau von China-Kompetenz. Nutze unsere Angebote und bewirb dich auf eines der Module von CHIN-KoBe hier auf der Seite.

Ein Rückblick auf das „China in Paris“-Seminar

[18.05.2022]

Ein Gastbeitrag von Ewa Schönborn, Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung und Teilnehmerin des CHIN-KoBe-Projekts.

Am 20.4. war es so weit: 18 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 10 verschiedenen Förderwerken brechen im Rahmen des CHIN-KoBe-Projekts auf nach Paris! Warum Paris? Neben dem Eiffelturm, bekannten Künstlerkaffees und schönen Parks kann die „Stadt der Liebe“ auch mit einem starken China-Bezug glänzen. Mit mehr als 600.000 Menschen chinesischer Abstammung findet sich in Paris die größte Gemeinschaft von Auslandschinesen in Europa. Bei Spaziergängen durch das elfte, dritte und dreizehnte Arrondissement entdeckten wir die China-Towns Paris‘ – historisch und kulinarisch. Dabei erklärte uns Dr. Chuang den Einfluss der Textilindustrie auf das Viertel. Frankreich spielte zudem als beliebter Studienort für Chinesen in den 1920er Jahren eine bedeutende Rolle für die politische Entwicklung Chinas, wie wir auf unserem Tagesausflug nach Montargis und dem Besuch im „Musée Historique de l’amité Franco-Chinoise“ erfahren durften. Für Interessierte kann dieses unter diesem Link selbst erforscht werden.
Mehr über die Geschichte Chinas erfuhren wir zudem in lebhaft vorbereiteten Kurzreferaten – vom Beginn der Xia Dynastie, über Ethnien und Religion in China bis hin zur Gründung der Kommunistischen Partei 1921 – begleitet von unserem Besuch im „Musée Guimet“. Auch nutzten wir die Gelegenheit einen lokalen buddhistischen/taoistischen Tempel zu besuchen.
Eines der Highlights des Seminars war das Gespräch zur französischen und europäischen China-Politik mit Dr. Antoine Bondaz, der mit beeindruckender Klarheit unsere Fragen rund um das Thema beantworten konnte. Dicht gefolgt davon die Führung durch das „Musée Cernuschi“, ehemalige Privatsammlung eines Asienreisenden, die eine Zusammenfassung des neu entdeckten China-Wissens bot und auf unseren bestehenden China-Grundlagen aufbaute.
Neben den offiziellen Programmpunkten wurde sich natürlich auch fleißig zwischen den Teilnehmenden ausgetauscht. Die Konstellation der Teilnehmenden aus verschiedenen Förderwerken und mit so unterschiedlichen Hintergründen war dabei besonders bereichernd und ist auch definitiv einer der Stärken des CHIN-KoBe-Projekts! An Einfällen und Kreativität mangelte es nie, sodass spontan Lauf-Gemeinschaften, Theater-Besuche und auch ein kleiner Pleco-Crashkurs entstanden sind.
Alles in allem verging die so erlebnisreiche Woche in Paris viel zu schnell! Doch wir blicken zurück auf Erlebnisse, die uns dem Wissen und Verständnis von China ein Stück nähergebracht haben.

Die olympischen Winterspiele 冬季奥林匹克运动会

[04.02.2022]

Beijing ist zum zweiten Mal Austragungsort der Olympischen Spiele. Mehr dazu und was sich seit den Olympischen Spielen 2008 verändert hat kann man in diesem Artikel auf der Seite der bpb lesen.

Mehr zum Thema Sport in China hört man im China Sports Insider Podcast aus dem Hause SupChina.

Frohes neues Jahr! 虎年吉祥!

[01.02.2022]

恭喜发财,红包拿来!CHIN-KoBe wünscht ein erfolgreiches Jahr des Tigers! Ihr habt bei den 红包 hoffentlich so richtig abgesahnt! ;)

Mein Jahr 2021 mit Chin-KoBe

[06.01.2022]

Ein Gastbeitrag von Eike Broszukat, Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und Teilnehmer des CHIN-KoBe-Projekts.

Was weißt du eigentlich über China? Wahrscheinlich kennst du die geographische Lage in Asien, dass das Land von Xi Jinping und der Kommunistischen Partei regiert wird, bestimmt noch, dass viele unserer Produkte in China produziert werden und, dass Chinas Wirtschaft immer wichtiger in der Welt wird. Und darüber hinaus? Über den Konflikt um Hongkong hat man aus den Nachrichten gehört und auch über den um und mit Taiwan. In den letzten Jahren ist China wieder vermehrt in den Schlagzeilen aufgetaucht, sei es durch den sogenannten Handelskrieg mit den USA, dem Corona-Ausbruch in Wuhan oder den nun kommenden Olympischen Winterspielen. Jeder weiß ein bisschen was, doch ich habe in meinem Bekanntenkreis und bei mir selbst immer wieder festgestellt, dass das vorhandene Wissen meist sehr oberflächlich ist. Beispielsweise auf Fragen, wie die Menschen in China eigentlich leben, was die großen literarischen Werke Chinas sind oder wie die chinesische Wirtschaft denn aufgebaut ist, kann kaum einer eine ausgereifte Antwort geben. Das mag an der geographischen Entfernung liegen oder einer sehr westlich-zentrierten Berichtserstattung. Was auch immer die Gründe sind, bei einer Sache waren sich jedoch alle sicher: China wird in der Zukunft eine größere und wichtigere Rolle in der Welt spielen.

In meinem Studium der Wirtschaftspädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird China aktuell leider nicht thematisiert. Als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung bin ich Anfang des Jahres über das Extranet der Stiftung auf das Chin-KoBe Projekt aufmerksam geworden und die Möglichkeit gesehen, mehr über diesen wichtigen, aber in der deutschen Bevölkerung nur oberflächlich bekannten Handelsriesen im Osten zu erfahren. Mit der Teilnahme erhoffe ich mir, zukünftig tiefergehende Antworten auf Fragen über China geben zu können. Ein bisschen Vorerfahrung konnte ich sogar schon mitbringen, denn in der Oberstufe habe ich bereits an einem Chinaaustausch teilgenommen.

Begonnen hat für mich der Einblick in China durch Chin-KoBe mit der Modulvorstellung des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Projekts im März. Dort konnte ich einen guten Überblick zum Aufbau des Projekts und den angebotenen Möglichkeiten gewinnen.
Um ein Land besser verstehen zu können, ist es hilfreich, auch die Sprache zu verstehen, denn eine neue Sprache öffnet ein Tor zu einer neuen Welt. Im Mai begann der Bewerbungszeitraum für das dritte Modul, den Chinesisch-Sprachkursen des Landesspracheninstituts in der Ruhr-Universität Bochum. Begeistert von der Vorstellung bewarb ich mich. Zwei Wochen später kam die Förderzusage. Der nächste Chinesisch-Grundlagen-Abendkurs sollte im Oktober beginnen, sodass noch etwas Zeit zur Vorfreude gegeben war.
Anfang Juni startete bereits die Ausschreibung für das erste Modul, der Onlineakademie Ende September. Nach dem auch diese Bewerbung abgeschickt war, hieß es erstmal warten, doch langweilig sollte es bis dahin nicht werden, denn in der Zwischenzeit gab es bereits einige Möglichkeiten, etwas über China zu lernen. Mit mehreren Lunchtalks, bei denen sich chinesische Hochschulen vorstellten, die Chronologie der Pandemie aus Fernost analysiert wurde und einer Webtalkreihe zum Unternehmertum und Innovation in China, gab es viel Wissensfutter für Chinainteressierte. Einen besonderen Einblick gab das China-Wochenende des LSI Bochum im August. Der Sinologe Dr. Hermann Halbeisen gaben uns zuerst eine spannende Einordnung zur historischen Entwicklung Chinas, vom Imperium zum Nationalstaat und den daraus folgenden Implikationen. Daran anschließend schauten wir uns mit seinem Kollegen Dietmar Ebert eine Momentaufnahme der Digitalisierung und Einführung des Sozialkreditsystems an. Welche Rolle dabei vor allem auch Unternehmen spielen, wurde eingehend beleuchtet. Am Sonntag standen Chinas verschiedene internationale Aktivitäten auf dem Prüfstand. Wir beschäftigten uns mit den Fragen, wie Chinas Belt & Road Initiative, auch bekannt als die neue Seidenstraße, voranschreitet und welche Rolle China in der Weltgemeinschaft anstrebt.
Der pandemischen Lage geschuldet, waren die Veranstaltungen zwar alle in digitaler Form, aber nichtsdestotrotz konnte man sich gut mit anderen chinainteressierten Stipendiaten vernetzen. Zum einen in der offiziellen LinkedIn-Gruppe des Projekts und zum anderen in der inoffiziellen WhatsApp-Gruppe der Stipendiaten. Der Austausch stößt immer wieder neue Gedankengänge an, denn die vielfältigen Hintergründe der Stipendiaten aller Werke und ihre unterschiedlichen Studienrichtungen bieten neu Sichtweisen. Eine Biotechnologin blickt natürlich anders auf China, als ein Jurist oder ich als Wirtschaftswissenschaftler es tue.
Das ist mir besonders bei der Onlineakademie Ende September aufgefallen. Die Akademie war voller spannender Themen unterschiedlichster Arten und über Zoom mit Qiqo-Chat, einer Art „sozialen Hülle“ für Zoom, hervorragend organisiert. Das Themenspektrum reichte von historischen Hintergründen, wie Kunstgeschichte, dem Einfluss des Daoismus, Konfuzianismus & Legalismus oder dem Ursprung der Schriftzeichen; über die Wirtschafts- und Arbeitswelt in China bis hin zur Außenpolitik Chinas. Vor, während und nach den Inputs der Referenten kamen wir dabei immer in kleineren „Reisegruppen“ aus vier bis sechs Leuten zusammen. Dort reflektierten und diskutierten wir noch einmal das Gelernte. So ließen sich interessante Einblicke gewinnen und dabei neue Freundschaften knüpfen. Die neun Tage der Akademie waren eine sehr intensive, aber spannende Zeit. Die Referenten haben die Themen sehr anschaulich und interaktiv gestaltet und sowohl China-Anfängern als auch erfahreneren China-Enthusiasten viel Neues mitgeben können. Als sehr interessant habe ich besonders die Vorstellung der Studienerfahrungen in China empfunden. Ich hoffe, dass die Austauschprogramme meiner Universität bald wieder anlaufen und ein Auslandsemester in China möglich wird.

Im Oktober war es dann endlich soweit und der Sprachkurs ging los. Am Anfang hat man natürlich einen enormen Respekt vor der Sprache. Chinesisch gilt immerhin nicht grade als eine einfache Sprache, doch man kann sich überraschend gut rein finden. Der Satzbau ist (bisher noch) sehr übersichtlich: so gut wie jeder Satz hat eine Subjekt-Prädikat-Objekt Reihenfolge. Die Schriftzeichen lassen wir noch außenvor und lernen die Sprache mit der Romanisierung Pinyin. Das Schwierigste ist meiner Meinung nach, dass viele Wörter Homophone sind und sich nur durch einen anderen Ton in der Aussprache unterscheiden. Es zählt also genaues Zuhören und deutliches Sprechen, dann ist „Chinesisch 1“ für jeden sehr gut machbar.

Neben dem Sprachkurs hat im Oktober noch eine zweite Sache begonnen, die mir einen besseren und den wahrscheinlich leckersten Einblick in China gegeben hat. Sechs Wochen gab es dienstags in Kooperation mit Jonas und Yuhang von dem Restaurant UUU in Berlin einen digitalen Chinesisch-Kochkurs. Die Rezepte waren manchmal etwas tricky, aber eigentlich immer sehr gut machbar und jedes Mal super lecker. Am besten haben mir die trocken gebratenen grünen Bohnen (干煸豆⻆) und Yuxiang-Gemüse (鱼香茄子) gefallen. Die grünen Bohnen sind ein so leckeres und einfach zuzubereitendes Gericht, dass wir es zu Hause mittlerweile als ein Standardgericht in unser Repertoire aufgenommen haben. Allein, wenn ich jetzt daran denke und läuft mir das Wasser im Mund zusammen – absolute Empfehlung also für den Kochkurs und chinesisches Essen!

Nachdem die ersten Spracheindrücke gesammelt waren, ging es Ende Oktober mit dem Interkulturellen-Training und dem zweiten Modul weiter. An zwei Wochenende bekamen wir von Frau Tran einen spannenden Einblick in die kulturellen Besonderheiten Chinas. Dabei standen Tischmanieren, Verhalten in Gruppen oder bei Konflikten im Blickpunkt der Tage. Egal wie lecker das Essen auch ist und wie sehr einem die deutsche Stimme im Kopf sagt: „Aufessen was auf den Tisch kommt!“, in China lässt man immer einen Rest übrig, aus Respekt vor dem Gastgeber und dass dieser für genug Essen gesorgt hat, denn: Gesicht geben bzw. Gesicht wahren (给面子) ist eine wichtige Sache im Reich der Mitte.

Neben den zwei Tagen Sprachkurs die Woche, dem Kochkurs und dem Interkulturellen-Training am Wochenende, war mein Stundenplan in den letzten Oktoberwochen voll mit China. Um in der freien Zeit, die noch blieb, neben dem neuen Semester etwas zu entspannen, habe ich begonnen, den chinesischen Klassiker „Die Geschichte der drei Königreiche“ (三国演义) zu lesen. Das was die Ilias, Odyssee oder Argonauten-Sage für die westliche Hemisphäre ist, das ist Luo Guanzhongs Werk, welches zu den vier großen Klassikern der chinesisch-sprachigen Literatur zählt, für die chinesische Kultursphäre.

Im November hat mein persönliches Highlight stattgefunden. Mit einer kleinen Gruppe Stipendiaten aus den unterschiedlichen Förderwerken haben wir uns auf den Weg gemacht, China in Europa zu erkunden und uns den Abdruck des chinesischen Lebens in Berlin anzuschauen. Mit einem guten Coronakonzept, 2G und täglichem Testen, konnten wir in Präsenz erfahren, welche Spuren Chinesinnen und Chinesen in Berlin hinterlassen haben. Begonnen haben wir im chinesischen Times Art Center, in dem wir eine Kunstausstellung über die chinesische Diaspora in den Amerikas angeschaut haben. Welche Rolle die chinesisch-stämmigen Migranten bei der Erschließung Amerikas oder dem Bau des Panamakanals gespielt haben, war mir vorher nicht bewusst. Es folgte ein sehr aufschlussreicher Besuch des Auswärtigen Amts, bei dem wir einen tiefen Einblick in die deutsche Außenpolitik mit und in China bekamen. Anschließend besuchten wir das Humboldt-Forum, in dem wir uns die Asienabteilung mit chinesischer Hofkunst und Ai Weiweis Teehaus anschauten. Am letzten Tag hörten wir einen lebhaften Vortrag von Dagmar Yu-Dembski, Tochter eines Chinesen, der zu Zeiten der Weimarer Republik nach Deutschland kam, über das Leben und Aufwachsen von Chinesen in Deutschland. Der zweite Vortrag von Dr. Daniel Fuchs über Wanderarbeiter, Streiks und Gewerkschaften in China hat mich als IG Metaller besonders fasziniert. Die Arbeiter in China haben ebenfalls noch einen langen Marsch vor sich, bis sie bessergestellt sind und über eine mit der in Deutschland vergleichbaren Vertretung verfügen.
Garniert war das Wochenende mit kulinarischen Impressionen aus Chinas Esskultur. Wir konnten in chinesischen Restaurants kennen lernen, wie chinesisches Essen zubereitet wird, wie man in China gemeinsam isst und wie lecker Chinas Spezialitäten schmecken. Das Wochenende verging wie im Flug und hat sehr viele schöne Einblicke, nette Bekanntschaften und vor allem neues Chinawissen mit sich gebracht.

Kaum zu Hause angekommen, ging es am folgenden Wochenende schon mit der zweiten Runde des ersten Moduls, der Aufbauakademie weiter. Diesmal mit Themenfeldern wie Chinas Plan zur künstlichen Intelligenz, der Autoindustrie in China und der geopolitischen Verschiebung im Südchinesischen Meer. Am Ende der Akademie gab es dann mit einem Planspiel zur politischen Lage im Südchinesischen Meer noch einen weiteren Höhepunkt. Gemeinsam mit einem Partner sind wir in die fiktiven Rollen der Staatsoberhäupter Gagoniens (China), Saloniens (Philippinen), der Inotischen Union (EU) und einiger anderer Länder geschlüpft, um den Konflikt zu deeskalieren und ihn mit verschiedenen Zielsetzungen zu lösen. Nach zwei spannenden Tagen, harten Verhandlungsrunden und fairen Kompromissen konnten wir zumindest unsere fiktive Auseinandersetzung entschärfen und eine militärische Eskalation verhindern. Die gemachten Erfahrungen und das gewonnene Verständnis für den Konflikt werden mir und den anderen Teilnehmern in Zukunft sicherlich helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Mit dem Ende der Aufbauakademie und dem Chinesisch-Sprachkurs im Dezember geht für mich ein interessantes und lehrreiches Jahr mit Chin-KoBe zu Ende. Es gab viel über China zu lernen, neue Eindrücke zu gewinnen und die Möglichkeit, die eigene Chinakompetenz nachhaltig zu erweitern. Mittlerweile kann ich definitiv mehr Fragen als vor einem Jahr beantworten, aber es sind noch viele offen und noch mehr dazu gekommen. Deshalb wünsche ich mir für 2022, dass ein Austausch mit China wieder möglich sein wird. Die Lust darauf auch einen Einblick vor Ort zu gewinnen zu können und Fragen in China zu beantworten ist 2021 immens gewachsen. Bis dahin freue ich mich auf die Dinge die Arvid, Jürgen und Nadine vom Chin-KoBe Projekt für uns Stipendiaten 2022 geplant haben.

Chinesische Kochkunst 中式烹饪

[16.04.2021]

民以食为天
"Essen ist des Volkes Himmelreich" (aus dem 汉书 Buch der Han)

Um es gleich vorweg zu sagen: DIE chinesische Küche gibt es natürlich gar nicht, denn dafür sind die regionalen Unterschiede zu groß. Klima, geographische Besonderheiten, lokale Traditionen und Migrationsbewegungen haben die Küchen Chinas stark beeinflußt. Zur geographischen Dimension kommt noch eine historische hinzu, denn Kartoffeln, Mais und Chilis sind erst seit der Verbindung in die Amerikas in China zu finden. Dies ist dann auch nur der Versuch einer Annäherung an die Vielfalt der Küchen Chinas.

Ausdrücklich zu empfehlen sind die Küchen aus den nicht vorwiegend von Han-Chinesen besiedelten Gebieten. Dazu gehören z.B. die tibetische, die mongolische, die uighurische und die koreanische Küche, sowie das Essen in Yunnan, die sich alle (auch fernab ihrer Entstehungsorte) einer großer Beliebtheit erfreuen.

In dem durch die beiden Flüsse Yangtze 长江 & Gelber Fluß 黄河 definiertem Kulturraum ist die Aufteilung in die folgenden vier bzw. acht traditionellen Kochschulen am häufigsten benutzt. Dabei korrespondiert eine bestimmte Schule meist mit einer sie prägenden Provinz. Die "vier großen Schulen" 四大菜系 umfasst dabei die Küchen aus Sichuan 川菜, Shandong 鲁菜, Kanton (Guangdong) 粤菜 & Huaiyang (Jiangsu) 淮揚菜. Diese wurden um die Küchen aus Anhui 徽菜, Fujian 闽菜, Hunan 湘菜 und Zhejiang 浙菜 ergänzt und bilden zusammen die "acht großen Schulen" 八大菜系.

Die kantonesische (Guangdonger) Küche 粤菜, zu der auch Hongkong 香港 gehört, ist nicht nur in China extrem bekannt und beliebt, sondern auch im Ausland. Ein Grund dafür ist die Migration der Menschen aus Guangdong im 19. Jahrhundert. So wurde die "kantonesische Küche" vielerorts synonym mit "chinesischer Küche" (insbesondere in den USA). Da Guangdong ganz im Süden an der Küste liegt (subtropisch), sind keine Präservierungsmethoden notwendig. So liegt der Fokus auf nur mild gewürzten Gerichten mit frischen Zutaten. Eine der bekanntesten Spielarten der kantonesischen Küche ist Dim Sum 点心.

Die sichuanesische Küche 川菜 hat in den letzten Jahren einen regelrechten Siegeszug über die Welt angetreten. Kritiker behaupten sie sei nicht besonders raffiniert, da häufig händeweise Chilis (im 17. Jahrhundert aus Südamerika eingeführt) und Sichuan-Pfeffer benutzt werden, um den für Sichuan typischen mala 麻辣 Geschmack (betäubende Schärfe) zu erhalten, und deshalb der Geschmack der Zutaten nicht gut hervorkommt. Der Popularität der sichuanesischen Küche tut das keinen Abbruch und so findet man typische Gerichte wie Mapo-Tofu 麻婆豆腐, oder Yuxiang-Auberginen 鱼香茄子 heute überall in China.
Empfehlung: die Kochbücher von Fuchsia Dunlop.

Der 14. Fünfjahresplan 十四五规划

[05.03.2021]

Auf dem Nationalen Volkskongress wird der 14. Fünfjahresplan verabschiedet. Dieser umfasst unter anderem folgende Themen:

  • Der "Doppelter Wirtschaftskreislauf" umfasst verschiedene Strategien um sich unabhängiger von ausländischen Technologien, Investitionen oder dem Exportmarkt zu machen.
  • Der neue Entwicklungsplan soll die Infrastruktur vorantreiben, das Innovationsniveau heben, die Wettbewerbsfähigkeit in verschiedenen Bereichen erhöhen und den Umweltschutz verbessern.

Wenn China seine selbstgesteckten und sehr abitionierten Umweltziele erreichen will (Null Emissionen in 2060), dann wird man hier schnell Veränderungen sehen (müssen). Wir dürfen gespannt sein, wie die tatsächliche Ausgestaltung der Pläne in den nächsten Jahren aussehen wird.

Für tiefergehende Analysen einzelner Aspekte empfehlen wir allen Stipendiat*innen unsere Webtalk-Reihe "Zukünfte mit China".

China(kompetenz) 中国能力

[16.02.2021]

Es war ein anstrengendes Jahr und eines, in dem uns schwerzlich bewusst wurde, dass es an Chinakompetenz mangelt. Was genau damit eigentlich gemeint ist und warum das so wichtig ist, kann man in der neuen "China(kompetenz)"-Ausgabe von Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) der Bundeszentrale für Politische Bildung lesen.

Die Bundeszentrale für Politische Bildung arbeitet zudem gerade an der Aktualisierung des Dossier China und einige der ganz neuen Artikel sind bereits online.

Auch Heft Nr. 337 der "Informationen zur politischen Bildung" ist ganz China gewidmet.

Frühlingsfest 春节

[12.02.2021]

Nach dem lunisolaren Kalender Ostasiens, nach dem sich die Feiertage berechnen, endet das alte Jahr der Ratte 鼠年 in diesem Jahr am 11.02.2021. Somit ist der 12.02. der erste Tag des neuen Jahres des Ochsen 牛年 (oder auch Büffels, in den südlicheren Breitengraden). Genauer gesagt ist es der Metall-Ochse, da den Tieren auch die fünf Elemente Feuer 火, Wasser 水, Holz 木, Metall 金 und Erde 土 zugeordnet werden. Die Festlichkeiten zum Frühlingsfest 春节 beginnen in der Neujahrsnacht 除夜 und dauern mindestens eine Woche an. Dazu gehören Feuerwerk, Aufführungen, das Zusammensein mit der Familien und natürlich reichlich Essen.

Insgesamt gibt es 12 Tiere, die sich alle 12 Jahre wiederholen. Somit waren 1901, 1913, 1925, 1937, 1949, 1961, 1973, 1985, 1997 und 2009 alles Jahre des Ochsen. Wer gehört alles in diesen erlauchten Kreis? Unter anderem Willy Brandt und Barack Obama.

Beim Frühlingsfest feiert man die Verabschiedung des alten Jahres und die Begrüßung des neuen Jahres. Das Frühlingsfest richtet sich nach dem traditionellen lunisolaren Kalender, der Mond-Monate mit Sonnenjahren synchronisiert. Deshalb fällt das Fest jedes Jahr auf etwas andere Tage im gregorianischen Kalender. Der chinesische Kalender ist also kein "echter" Mondkalender, wie z.B. der traditionelle Muslimische Kalender. Wie in vielen Kulturen und bei vielen Festen spielt auch hier der agrarische Hintergrund eine große Rolle, weshalb der Kalender auf Chinesisch auch "Bauernkalender" 农历 genannt wird.

Hier eine Auswahl an Neujahrsgrüßen:
新年快乐、恭喜发财、年年有余、万事如意、招财进宝

Frohes Neues Jahr; Glückwünsche & Wohlstand; (Mögest du) jedes Jahr in Überschuss leben; mögen alle (deine) Wünsche in Erfüllung gehen; hervor mit dem Wohlstand und herein mit den Schätzen.

Film 电影

[22.12.2020]

Da wir jetzt am besten alle schön zuhause bleiben, wollen wir hier ein paar Filme empfehlen. Für alle, die schon angefangen haben Chinesisch zu lernen: Bitte unbedingt im Original und mit Untertiteln gucken.
Film hat eine lange Geschichte in China. Der erste chinesische Film entstand wahrscheinlich 1905. Shanghai war das kreative Zentrum der chinesischen Filmindustrie und die 30er Jahre das Goldenen Zeitalter des Shanghaier Films. Aufgrund der nicht enden wollenden Katastrophen (2. Weltkrieg, Bürgerkrieg und Kulturrevolution) auf dem Festland, wurde der chinesischsprachige Film in der „Peripherie“ fortgeführt: Hong Kong, Taiwan und Südostasien entstanden als Produktionsstandorte chinesischsprachiger Filme und blieben es lange (siehe Filmstudios wie Shaw Brothers, Golden Harvest u.a.).
Richtig groß wurde der Festlandchinesische Film erst wieder mit der 5. Generation an Filmmachenden, unter ihnen bekannte Namen wie Zhang Yimou 张艺谋 und Chen Kaige 陈凯歌. Ab Ende der 90er Jahre kamen dann die Filme der 6. Generation chinesischer Filmemacher*innen hinzu.

Die Empfehlungen in chronologischer Reiherfolge:

  • Gelbe Erde 黄土地 (1984) von Chen Kaige 陈凯歌 (Kamera: Zhang Yimou 张艺谋). Erster Film der 5. Generation chinesischer Filmemacher*innen, der international wahrgenommen wurde.
  • Rotes Kornfeld 红高粱 (1987) von Zhang Yimou 张艺谋. Goldener Bär auf der Berlinale 1988. In den Hauptrollen: Gong Li 巩俐 und Jiang Wen 姜文 (beide sehr berühmt und bis heute aktiv).
  • Black Snow 本命年 (1990) von Xie Fei 谢飞. Mit Jiang Wen 姜文 in den Hauptrollen. Silbener Bär auf der Berlinale 1990.
  • Rote Laterne 大红灯笼高高挂 (1991) von Zhang Yimou 张艺谋. Mit Gong Li 巩俐 in der Hauptrolle. Gewann verschiedene Preise, darunter einen Oscar (1992).
  • The Blue Kite 蓝风筝 (1993) von Tian Zhuangzhuang 田壮壮 (auch 5. Generation).
  • Lebewohl, meine Konkubine 霸王别姬 (1993) von 陈凯歌. Mit Gong Li 巩俐 und Leslie Cheung 張國榮 (Cantopop-Superstar der 80er Jahre) in den Hauptrollen. Goldene Palme in Cannes.
  • Leben! 活着 (1994) von Zhang Yimou 张艺谋 und mit Gong Li 巩俐 und Ge You 葛优 in den Hauptrollen. Ge You 葛优 bekam 1994 in Cannes die Auszeichnung als Bester Darsteller. Basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Yu Hua 余华. 
  • Seventeen Years 过年回家 (1999) von Zhang Yuan 张元 (6. Generation) mit Li Bingbing 李冰冰 in der Hauptrolle.
  • Keiner weniger 一个都不能少 (1999) von Zhang Yimou 张艺谋. Brachte ihm den Goldenen Löwen von Venedig ein.
  • Devils on the Doorstep 鬼子来了 (2000) von und mit Jiang Wen 姜文.
  • Suzhou River 苏州河 (2000) von Lou Ye 娄烨 (6. Generation). In der Hauptrolle Zhou Xun 周迅, die mit diesem Film international bekannt wurde.
  • In The Mood For Love 花樣年華 (2000). Dieser Film des Regisseurs Wong Kar-wai 王家衛 wurde mit Preisen überschüttet. In den Hauptrollen zwei absolute Superstars des Hongkonger Kinos: Maggie Cheung 張曼玉 und Tony Leung 梁朝偉.
  • Beijing Bicycle 十七岁的单车 (2001) von Wang Xiaoshuai 王小帅 (6. Generation). Preis der Jury auf der Berlinale 2001.
  • Blind Shaft 盲井 (2003) von Li Yang 李杨. Silbener Bär auf der Berlinale 2003.
  • Sommerpalast 颐和园 (2006) von Lou Ye 娄烨 (6. Generation). 
  • Still Life 三峡好人 (2006) von Jia Zhangke 贾樟柯 (6. Generation). Mit Zhao Tao 赵涛 und Han Sanming 韩三明 in den Hauptrollen. Goldener Löwe in Venedig.
  • A Touch of Sin 天注定 (2013) von Jia Zhangke 贾樟柯 (6. Generation). Mit Zhao Tao 赵涛 und Jiang Wen 姜武 (Bruder von Schauspieler/Regisseur Jiang Wen 姜文) in den Hauptrollen. Die New York Times wählte den Film unter die Besten 25 Filme des 21. Jahrhunderts.
  • Feuerwerk am helllichten Tage 白日焰火 (2014) von Diao Yinan 刁亦男. Mit Liao Fan 廖凡 und Gwei Lun-mei 桂綸鎂. Goldener Bär auf der Berlinale.
  • I Am Not Madame Bovary 我不是潘金莲 (2016) von Feng Xiaogang 冯小刚. Komödie mit vielen bekannten Schauspieler*innen, u.a. Fan Bingbing 范冰冰.

Literatur 文学

[07.12.2020]

Aus aktuellem Anlass (Yan Lianke 阎连科 erhält den Newman Prize for Chinese Literature 2021) geben wir hier einen kleinen Einblick in die Chinesische Literatur.

Um sich mit den großen und kleinen Themen der chinesischen Welt vertraut zu machen, ist Literatur ausgezeichnet geeignet. Eine interessante Zusammenstellung an Autor*innen und Themen lässt sich in diesem MOOC von Harvard finden. Eine weite Verbreitung chinesischsprachiger Literatur ist allerdings nur über Übersetzungen möglich. Neben den Klassikern und einer handvoll sehr bekannter chinesischer Autor*innen hatte es chinesische Literatur in Übersetzung allerdings lange sehr schwer in Europa. Es fehlte schlicht an einer großen Leserschaft und an Übersetzer*innen. Neben dem Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan 莫言 (2012) gibt es seit den 2000er Jahren vermehrt Unterhaltungsliteratur bei uns zu kaufen und neuerdings sogar Science-Fiction Literatur.

Die Vier Großen Werke 四大名著

Die wohl bekanntesten vormodernen Werke in chinesischer Sprache sind die vier großen Werke 四大名著. Der Bekanntheitsgrad und Einfluß dieser Werke kann nicht überschätzt werden. Bis heute werden diese Werke immer wieder als Vorlage für Literatur, FIlme, TV-Serien, Computerspiele und Musik. Die Autorenschaft ist nicht immer eineindeutig festzustellen. Die Vier Großen Werke 四大名著 sind:

  • Die Geschichte der Drei Reiche 三国演义 von Luo Guanzhong 罗贯中 (geschrieben um 1390)
  • Die Räuber vom Liang-Schan-Moor 水浒传 von Shi Nai’an 施耐庵 bzw. Luo Guanzhong 罗贯中 (geschrieben 1573)
  • Die Reise nach Westen 西游记 von Wu Cheng’en 吴承恩 (geschrieben 1590)
  • Der Traum der Roten Kammer 红楼梦 von Cao Xueqin 曹雪芹 (geschrieben um 1750 bis 1792)

Viele Übersetzungen sind inzwischen gemeinfrei und im Internet zu finden. Ältere deutsche Übersetzungen von Franz Kuhn findet man im antiquarischen Buchhandel. Besonders hervorzuheben: Die "Geschichte der Drei Reiche" und die "Reise in den Westen" sind erst in den letzten Jahren vollständig übersetzt worden und auf deutsch erschienen. Die Übersetzerin Eva Lüdi Kong hat für Ihre Übersetzung der "Reise in den Weste" den Preis der Leipziger Buchmesse 2017 in der Kategorie Übersetzung erhalten.

Zwei der Romane gibt es als nacherzählten Podcast-Versionen von John Zhu (auf Englisch):

Die Moderne 现代文学

Der wohl bekannteste Autor und Verfechter eines modernen geschriebenen Chinesisch ist Lu Xun 鲁迅. Gleichermaßen einflussreich war Lao She 老舍. Weitere empfehlenswerte und auch in deutscher Übersetzung erhältliche Autor*innen sind: Yu Hua 余华, Yan Lianke 阎连科, Mo Yan 莫言, Wang Anyi 王安忆, Wang Shuo 王朔, Chang, Eileen 张爱玲, Dai Sijie 戴思杰, Xue Xinran 薛欣然, Ma Jian, Guo Xiaolu 郭小橹.

Populär-Literatur 大众文学

Typischster Vertreter der Populärliteratur in China ist das Genre Wuxia 武侠, in denen die Held*innen häufig sensationelle Kampfkünste beherrschen und gute Taten vollbringen. Das Setting ist meist historisch. Hier musst zuerst Louis Cha aka Jin Yong 金庸 genannt werden, den man auch salopp als J.R.R. Tolkien der chinesischen Welt bezeichnen könnte. Seine Romane sind der Inbegriff des Wuxia-Genres und wurden vielfach verfilmt und popkulturell verarbeitet. Generationen von Kindern in allen Chinesisch-sprechenden Regionen der Welt sind mit seinen Büchern und den dazugehörigen TV-Adaptionen aufgewachsen. Einer der bekanntesten Romane (射雕英雄传) wird gerade neu bzw. zum ersten Mal übersetzt. Zu finden unter dem Titel "Legend of the Condor Heroes" bzw. "Die Legende der Adlerkrieger".
Liu Cixin's 刘慈欣 Trisolaris-Trilogy 三体 oder auch "The Three-Body Problem" ist der bekannteste Roman der neuen Science-Fiction Literatur Chinas und soll demnächst verfilmt werden. Auch auf deutsch erschienen und empfehlenswert sind Chen Qiufan's 陈楸帆 "Siliziuminsel" 荒潮 und Hao Jingfang's 郝景芳 "Peking falten" 北京折叠.

Sinophone Literatur 华文文学

Als Sinophone Literatur 华文文学 bezeichnet man (in Anlehnung an Anglophone oder Frankophone Literatur) Literatur, die auf Chinesisch 中文, also mit chinesischen Schriftzeichen 文字, geschrieben ist, unabhängig von der Nationalität des Autors oder des Entstehungslandes. Die verwendete Sprache ist das wesentliche Merkmal für die Einordnung. Für deutschsprachige Literatur ist Franz Kafka ein gutes Beispiel. Bekannte Beispiele für Autor*innen der Anglophonen Literatur sind Salman Rushdie, Vladimir Nabokov oder Ha Jin.

Chinesischsprachige Literatur ist eng mit der chinesischen Emigration verbunden. Bis heute leben in Südostasien viele Nachkommen chinesischer Einwanderer und so findet man auch hier viel chinesischsprachige Literatur, wie zum Beispiel aus Malaysia 马华文学. Typische Vertreter*innen, auch wenn einige inzwischen auf Taiwan leben, sind Li Yongping 李永平, Ng Kim Chew 黄金樹 oder Li Zishu 黎紫书.

Eine der bekanntesten Autorinnen chinesischsprachigen Literatur ist die Autorin Sanmao 三毛. Gerade erst in Übersetzung erschienen, schrieb sie in den 70er und 80er Jahren aus der Sahara an eine chinesischsprachige Welt.

Weiterführende Links

Besonders zu empfehlen ist die Webseite Paper Republic, die in diesem Eintrag vielfach verlinkt wurde. Dort findet man neben den Autor*innen und ihren Werken auch die Übersetzungen vermerkt.

Eine ganz tolle Zusammenstellung von chinesischen Büchern auf Deutsch findet ihr bei den Sinonerds.

Singles' Day 光棍节

[11.11.]

Der aus China stammende Singles' Day hat sich innerhalb von drei Jahrzenten zum umsatzstärksten Shopping-Tag der Welt entwickelt. Eine schöne Parallele zu Chinas wirtschaftlicher Entwicklung und ein guter Tag, um über sozio-ökonomische Verhältnisse und Entwicklungen in China nachzudenken.

Die Einsen stehen symbolisch für Singles. Auf Chinesisch heißt der Tag auch Guānggùn Jié 光棍节. Guānggùn 光棍 ist ursprünglich einen Bezeichnung für einen Schurken oder Halunken gewesen. Heute ist das Wort Internetslang für einen Junggesellen. Wörtlich übersetzt heißt Guānggùn 光棍 "kahler Stock".

Regelmäßig brechen die chinesischen Shopping-Portale an diesem Tag Rekorde bei Umsätzen und Transaktionen. Eine Entwicklung, die ohne die hinter Online-Shopping und mobilen Bezahlsystemen stehenden Technologien nicht möglich wäre. Weit über die Hälfte der Einkäufe passieren über mobile Endgeräte.

Doppel-Yang-Fest 重阳节

Am 25.10.2020 ist "Doppel-Yang-Fest" 重阳节. Es wird in China, aber auch in Japan und Korea gefeiert. Nach dem Mondkalendar findet es am 09.09. statt, weshalb das Fest auch "Doppel-Neun-Fest" genannt wird. Der Ursprung des Festes hat wohl mit der Vermeidung von Pest zu tun.

Das Doppel-Yang-Fest ist häufig Thema in der Lyrik. So hat auch Li Bai 李白 ein Gedicht dazu geschrieben:

“昨日登高罢,今朝再举觞。菊花何太苦,遭此两重阳。” 

Heutzutage geht man an diesem Tag gerne ein bisschen Wandern, erfreut sich über die blühenden Chrysanthemen und trink Chrysanthemen-Tee (früher auch Chrisanthemen-Wein). In Japan wird das Fest deshalb auch Chrysanthemum Festival 菊の節句 genannt.

Podcasts 播客

[21.10.2020]

Hier präsentieren wir euch eine kleine Auswahl an Podcasts. Die vollständige Liste findet ihr in der Dokumentation zur China-Akademie. Wir empfehlen in eine gute Podcast-App zu investieren.

The China History Podcast
Wenn man sich mal schnell über eine bestimmte Periode der chinesischen Geschichte schlau machen möchte, dann ist dieser Podcast sehr geeignet. Wann war noch mal die Song? Wie funktioniert noch mal der Daoismus? Wer war noch mal Deng Xiaoping? Kann hier alles nachgehört werden. Läuft seit 10 Jahren!

Lernhilfen 学习辅助资源

[08.10.2020]

Wir stellen hier ein paar Ressourcen vor, die nützlich für Chinesisch-Lernende sind.

Die Chinesisch-Lern-App Pleco
Das beste Werkzeug für euer Smartphone ist Pleco. Es gibt Pleco für Android und iOS. Die Grundversion ist kostenlos und innerhalb der App kann man sich weitere Open Source und Nutzer-gepflegte Wörterbücher und Extras herunterladen. Die meisten Wörterbuch-Lizenzen und Extras, wie z. B. Vokabelkarten und OCR-Funktion, kosten allerdings Geld.

Ihr solltet natürlich die Schrifteingabe für Chinesisch auf eurem Gerät aktivieren (z. B. Pinyin oder die handschriftliche Eingabe), damit ihr auch Zeichen eingeben könnt.

Schriftzeichen im Browser lesen
Für den Browser lohnt es sich ein Pop-up Wörterbuch Add-on zu installieren. Danach kann man mit der Maus über einem beliebigen Schriftzeichen schweben und es werden Aussprache und Übersetzung angezeigt. Das gibt es z.B. von Perapera für Firefox und Chrome.

Zeichen nachschlagen
Um mal schnelle einzelne Zeichen (nicht Wörter!) nachzuschlagen eignet sich die spendenbasierte Webseite HanziCraft. Die Detailseite jedes Schriftzeichens zeigt seine Bestandteile, die Aussprache, die Häufigkeit der Nutzung, die Wörter in denen das Zeichen am häufigsten benutzt wird und noch einiges mehr. Auch nützlich ist die Liste der 8943 am häufigsten vorkommenden Schriftzeichen.

Frohes Mondfest 中秋节快乐!

[01.10.2020]

Nach dem Mondkalendar 农历 ist dieses Jahr am 1. Oktober Mondfest 中秋节 in vielen Ländern Asiens, so auch in China. Wer wissen möchte, warum man jetzt Mondkuchen 月饼 essen muss und warum die Göttin Chang'e 嫦娥 und der Jadehase 玉兔 auf dem Mond leben, der schaut sich dieses Video der South China Morning Post an. Und wem die Namen Chang'e und Jadehase bekannt vorkommen, die/der suche nach dem Mondprogramm der Raumfahrtbehörde der Volksrepublik China...

Das Mondfest fällt dieses Jahr auf den Nationalfeiertag 国庆节 der Volksrepublik China, die am 1. Oktober 1949 gegründet wurde. Daran schließt die Goldenen Woche 黄金周 an, eine 7-tägige Ferienzeit, die die Volksrepublik 1999 einführte, um den nationalen Konsum zu stimulieren.

Chinesisch 中文

[30.09.2020]

Wir beginnen unseren Blog mit Informationen zu Chinesisch und dem Chinesisch-Lernen, denn für eine China-Kompetenz sind gute Chinesisch-Kenntnisse ein Muss.

Das gesprochene Chinesisch 普通话/汉语/华语/国语

Die meisten Einwohner*innen der Volksrepublik China (VRCh) sprechen Hochchinesisch, bei uns auch als "Mandarin" oder einfach nur "Chinesisch" bekannt. In der VRCh wird sie "Standardsprache" 普通话 (Pǔtōnghuà) oder "Sprache der Han" 汉语 (Hànyǔ) genannt.
Die neu gegründete Volksrepublik China legte 1956 auf der "Konferenz zur Standardisierung des Modernen Chinesisch" die Aussprache fest. Das heutige Chinesisch basiert auf dem Beijinger Dialekt, ist mit diesem aber nicht deckungsgleich.

Weiterhin existiert in China eine enorme Sprachvielfalt, obwohl diese schrumpft. Dazu gehören unzählige Dialekte, Topolekte 方言 (auch Regiolekte genannt), die sich wie Französisch, Spanisch und Italienisch voneinander unterscheiden, und Sprachen, die nicht zur selben Sprachfamilie gehören. Deshalb sprechen viele Einwohner*innen Chinas mehr als eine Sprache. Einige der bekanntesten chinesischen Sprachen neben dem Hochchinesisch sind: Wu 吴语, Kantonesisch 粤语/广东话, das südliche Min 闽南话 (auch: Hokkien 福建话) und Hakka 客家话.

Informationen zur Phonetik findet ihr zum Beispiel in der Chinesisch-Ecke 汉语角 der Universität Ulm.
Wer jetzt Lust bekomen hat direkt anzufangen, dem sei der Blog von Carl Gene Fordham empfohlen, auf dem es ein paar Einführungslektionen zu absolvieren gibt: Basic Spoken Chinese.

Die Romanisierung 拼音

In der VRCh wird Pinyin verwendet. Das ist ein relativ einfach zu erlernendes Romanisierungs-System, mit dem man unproblematisch Schriftzeichen auf PC und Smartphone schreiben kann. Fast alle alten Schreibweisen wurden auch bei uns durch Pinyin ersetzt. Ausnahmen sind bekannte Wörter und Städtenamen wie Peking (heute: Běijīng), die man bis heute in der Zeitung finden kann.

Die Schrift 中文

Die ersten Zeugnisse der chinesischen Schrift finden sich auf den zunächst zufällig entdeckten Orakelknochen 甲骨文 aus der Zeit der Shang 商代 und datieren auf ca. 1200 v. Chr. Einige Schriftzeichen sind auch heute noch lesbar, aber die chinesische Schrift hat sich seitdem stark gewandelt.

Die Forschung geht von mehreren zehntausend Schriftzeichen aus. Die gute Nachricht: viele sind überhaupt nicht mehr in Gebrauch und andere werden nur sehr selten benutzt. Es müssen wesentlich weniger Schriftzeichen gelernt werden, um einigermaßen Lesen und Schreiben zu können.

Für das Erlernen von Schriftzeichen ist es gut zu wissen, dass auch diesem Schriftsystem gewisse Regeln zugrunde liegen, die das Erlernen von Schriftzeichen stark vereinfachen. So ist es möglich Rückschlüsse auf Aussprache und/oder Bedeutung eines Schriftzeichens ziehen zu können, obwohl man das Schriftzeichen noch nicht gelernt hat, da Schriftzeichen häufig aus Funktionskomponenten zusammengesetzt sind.
Ein Beispiel für eine semantische Komponente eines Schriftzeichens: 虫 chóng steht häufig für Insekten, Reptilien, Würmer und dergleichen. Taucht dieses Schriftzeichen in einem anderen Schriftzeichen auf, dann handelt es sich um eine semantische Komponente. Das Schriftzeichen mit 虫 kann dann häufig der oben genannten Kategorie zugeordnet werden. Beispiele sind Schlange 蛇,Biene 蜜蜂,Ameise 蚂蚁,Mücke 蚊子 ,Spinne 蜘蛛,Motte 蛾子,Frosch/Kröte 青蛙. Wenn man genau hinguckt, dann kann man in allen diesen Wörtern 虫 finden, am häufigsten etwas gequetscht an der linken Seite von mindestens einem der Schriftzeichen. Das funktioniert nicht in allen Fällen, erleichtert aber das Lernen enorm.

In der Volksrepublik werden vereinfachte Schriftzeichen benutzt. Bei diesen Schriftzeichen sind die Striche, die man zum Schreiben des Schriftzeichen braucht, teils deutlich reduziert worden. Auch ohne Chinesisch zu können, sieht man das manchmal auf einen Blick: Drache wird vereinfacht 龙 geschrieben. Das traditionelle Schriftzeichen ist 龍.

Weiterführende Links

  • Die Sinonerds haben in der Kategorie Sprache auch einige gute Artikel rund um die Chinesische Sprache und das Erlernen derselben.
  • Andreas Guder von der FU Berlin hat ein tolles Schriftzeichen-Projekt, bei dem er einzelne Schriftzeichen, ihre Herkunft und Bedeutung kurz und knapp vorstellt. Fortlaufend zu finden auf Twitter.